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Hessische Gesellschaft für Soziale Psychiatrie

Aktivitäten


Vorstand

Der Vorstand der HeGSP trifft sich regelmäßig zur öffentlichen Sitzung.
Sie sind herzlich eingeladen.

Nächste offene Sitzung des Vorstandes:
Termin: 17. Februar 2016, 17:00 Uhr
Ort: DGB Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69, 60329 Frankfurt/Main
Raum: Siehe Ankündigungstafel vor Ort
Themen:
  • Tagungsvorbereitungen
  • Berichte
  • u. a.
Haben Sie Themen oder Anfragen?
Schicken Sie uns bitte eine E-Mail.





Die DGSP-Hessen will vierteljährig Artikel, Meinungen, Kolumnen, Stellungnahmen zu aktuellen Themen von Mitgliedern und Gästen auf dieser Seite veröffentlichen und zur Diskussion stellen. Die Themen sollen sich insbesondere auf die Fortschritte in der hessischen Psychiatrie beziehen.

Sie können zu den dargestellten Themen auch kritisch Stellung beziehen und uns Ihren Beitrag per E-Mail mit einem Hinweis auf Erlaubnis zur Veröffentlichung auf unserer Seite senden.

Wir beginnen mit dem folgenden Beitrag eines Mitgliedes aus Friedrichsdorf:


Logo Vitos bringt´s auf den Doppelpunkt:

Soll die Logo KrispyKreme-Pfannkuchen-Ladenkette das vitos:-Gemeinschaftsgefühl stärken?

Die Eigenbetriebe des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) werden (spät) vom Zeitgeist (Marktorientierung) erfasst und heraus kommt ein Betrieb mit dem Namen "Vitos", einem "Corporate Design" (Farben) und last but not least einem "Claim (Slogan)".
Bei so viel Wandel ringt man mit den fitting words.

Im neuen Möchtegern-Konzern tritt Scott Livengood ("DAS WICHTIGSTE IST ZU ENTSCHEIDEN, WOFÜR MAN STEHT, WAS MAN DARSTELLT, WAS FÜR EINEN WICHTIG IST UND WAS MAN WERT IST.") die Nachfolge von Philipp dem Großmütigen an.

Scott Livengood, der frühere Chief Executive Officer (von CBS Market Watch zum schlechtesten Generaldirektor des Jahres 2004 gewählt) der Krispy Kreme Ladenkette steht für *glasierte Doughnuts*, jene Art Pfannkuchen (meistens warm serviert), die beim Reinbeißen Hungergefühle beachtlich steigern. Krispy Kreme Doughnuts Inc. (KKD) wirbt damit, dass keine Dividende gezahlt wird. Dies könnte nicht die einzige Gemeinsamkeit mit vitos: sein.

Taufpaten des zukünftig unverwechselbaren Betriebs zwischen Bad Emstal und Heppenheim sind Griechen und Römer: Aus "vita" (lateinisch für Leben) und "bios" (griechisch für Leben) wird "Vitos" (hessisch für Doppelleben). Wird hier perspektivisch auf die Kraft der zwei Herzen (Doppelherz) und damit eventuell auf eine Veränderung der Behandlungsstrategie angespielt: Weg von der Chemie (Behandlung mit Pharmaka), hin zur Behandlung mit Naturheilmitteln? Oder vernimmt man hinter dieser doppelt abgesicherten Namensgebung griechisch-römisches Pfeifen im Wald, das Ängste, gar Überlebensängste verdecken soll?

Schluss mit Spekulationen; hier kommt Vitos-Präzision: Der neue Betrieb claimt als "Alleinstellungsmerkmal" "Kompetent für Menschen" zu sein.
Jetzt wissen wir es aber!

Da hat jemand gebrüllt und schiebt nach, dass die Erfahrungen dieses besonderen Betriebes Menschen zugutekommen, die "krank, behindert oder sozial benachteiligt sind". Wo diese Menschen erreicht werden, entzieht sich ebenso wie die Benennung von Methoden und Zielen der weiteren Präzision.

Logo KrispyKreme Macht auch nichts: Bisher hat es keiner der zukünftigen "Verlierer des Marktgeschehens" für nötig befunden, auf "Claim" und "Alleinstellungsmerkmal" des selbst ernannten Platzhirsches zu reagieren.
Heiße Luft kühlt von alleine ab.

Gleichzeitig aufkommende Impulse von Wut und brüllendem Lachen lösen Lyriks zum Logo und zur Farbcodierung aus: "In der weichen runden Form der Schrift spiegelt sich Fürsorge wider". "Grün wird assoziiert mit Hoffnung und ist eine sehr positive Farbe."
Was für eine Sinnfindung!


Was soll nun aus dem alten neuen Betrieb werden?

Die "strategische (= ideologieanfällige) Neuausrichtung" bedeutet flexible Anpassung an Marktanforderungen (durch "funktionale und flache Strukturen"), bauliche Veränderungen ("Hotelqualität", Leistungstransparenz ("psychiatrische Leistung messbar machen"), in der Psychiatrie Ausbau störungsspezifischer Angebote und den Start von "Satelliten", die "die gemeindenahe psychiatrische Versorgung sichern", in der Administration "die Entwicklung und (der) Aufbau von Controlling."

Außer mit den Plänen zum Satellitenstart und zum Aufbau störungsspezifischer Behandlungsangebote bietet das Vorhaben das übliche Wir-bringen-den Laden-auf-Vordermann-Gehabe.

Also im Prinzip nicht mehr als eine besonders amüsante, unfreiwillig komische Betriebswirtschafts- und Marketingselbstdarstellung?

Leider nein. Die Konkurrenten mögen angesichts dieser Art der Selbstdarstellung gelassen bleiben, die Kunden haben Anlass zur Unruhe:
Die moderne gemeindepsychiatrische Versorgung à la Vitos soll von großen Zentraleinrichtungen mit vielen Spezialabteilungen gesteuert werden und per Satellit mit den Gemeinden vernetzt werden. Das ist das Konzept einer völlig unwissenschaftlichen, absurden, wahnwitzigen Betriebswirte-Psychiatrie.

Es besteht durchaus die Gefahr, dass die Konzernleitung von Vitos mit solch eigenartigen Konzepten Fehlentwicklungen anstößt, diese Entwicklungen zur Modernisierungsblase aufbläst, um sich nach deren Platzen die Hände in reichlich Abfindung zu waschen.

So, wie sich dieser Betrieb darstellt, haben Kommunalpolitiker, Menschen mit Behinderungen und Krankenkassen, sowie deren Beitragszahler in Hessen allen Grund, sehr aufmerksam zu sein.

Alle mit " " eingegrenzten Zitate entstammen der Broschüre: "Aus der LWV-Gesundheitsmanagement GmbH und ihren Tochtergesellschaften wird Vitos".



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